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Forschung zu Klima, Ökologie und Konflikt

Ein Klima des Krieges?

Source: MiningWatch Portugal, Unsplash.

Ob Klimawandel, Artensterben oder Verschmutzung – ökologische Krisen spitzen sich weltweit zu. Diese Entwicklungen wirken sich auch auf Fragen von Frieden und Sicherheit aus. 2025 hat das PRIF mit der Einrichtung der Forschungsgruppe Ökologie, Klima und Konflikt und dem Start von Tobias Ide als Leiter des Programmbereichs Transnationale Politik seinen Schwerpunkt auf diesen Themenkomplex gleich doppelt verstärkt.

Im September 2025 verkündete das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dass mit der Ozeanversauerung die siebte von neun planetaren Belastbarkeitsgrenzen überschritten wurde, die die Erde zu einem sicheren Lebensraum für Menschen machen. Schuld daran sind wir selbst: „Menschen haben schon immer ihre Umwelt geschädigt, aber noch nie so schnell, in diesem planetaren Maßstab, und noch nie mit solchen weit in die Zukunft reichenden Konsequenzen für das gesamte Erdsystem“ – so erklärt Patrick Flamm das Ausmaß des Einflusses, den die Menschheit seit der Industrialisierung, und spätestens seit den 1950er Jahren auf den Planeten nimmt. Aus diesem Grund hat Paul Crutzen, Nobelpreisträger und ehemals Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, im Jahr 2000 das Zeitalter des Menschen ausgerufen, das Anthropozän. Was bedeutet das für Fragen von Frieden und Konflikt? Wie wirken sich die sich zuspitzenden ökologischen Krisen auf Gewalt, Migration und Sicherheit aus?

Gewaltkonflikte und ökologische Krisen bedingen sich gegenseitig: Zum einen bedeuten Kriege immer auch (Umwelt-)Zerstörung: Etwa geht man heute davon aus, dass während des Vietnamkriegs rund 3,1 Millionen Hektar an Fläche von Mangroven- und Regenwäldern zerstört wurden – verheerend, nicht nur mit Blick auf die dadurch freigesetzten CO2-Emissionen, sondern auch für Ökosysteme und Biodiversität. Außerdem tragen Kampfhandlungen durch ihren hohen Energiebedarf und Treibhausgas-Emissionen zum Problem bei – etwa durch den Einsatz von Flugzeugen, Schiffen und Panzern bis hin zur Produktion und dem Einsatz von Waffen und Munition. Und der Wiederaufbau zerstörter Regionen verursacht in der Regel sogar mehr Emissionen als die Kämpfe selbst. Darüber hinaus beeinflussen die fortschreitenden ökologischen Krisen aber auch, warum, mit welchen Mitteln und unter welchen Bedingungen Kriege geführt werden – und wie sie sich auf Betroffene auswirken.

Forschung zu Klima, Ökologie und Konflikt

Unter Leitung von Patrick Flamm arbeiten seit März 2025 Forschende aus drei Programmbereichen zusammen, um diese Zusammenhänge zu untersuchen. Als Forschungsgruppe Ökologie, Klima und Konflikt betrachten sie die Frage, unter welchen Bedingungen die drei großen ökologischen Krisen dieser Zeit Konflikte begünstigen, unter welchen Bedingungen sie vermieden werden – oder sogar als Ausgangspunkt für Kooperation dienen können. Darüber hinaus hat im Dezember 2025 mit Tobias Ide ein Wissenschaftler die Leitung des Programmbereichs Transnationale Politik übernommen, der mehrfach für seine Forschung in diesem Klima-Konflikt-Nexus ausgezeichnet wurde. Er verstärkt mit seiner Expertise die Forschungsgruppe Ökologie, Klima und Konflikt als stellvertretender Leiter.

Infobox

Die drei ökologischen Krisen und ihre Wechselwirkungen

Oft als planetare Dreifachkrise (Triple Planetary Crisis) bezeichnet, bedrohen Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung die Stabilität der Erde und das menschliche Leben. Verursacht durch menschliche Aktivitäten, sind die Krisen eng miteinander verflochten und verschärfen sich gegenseitig:

Klimawandel (Globale Erwärmung): Der Anstieg der Treibhausgas-Emissionen erhöht die globale Durchschnittstemperatur, was zu extremen Wetterereignissen wie Hitze- und Dürreperioden führt.

Verlust der biologischen Vielfalt (Artensterben): Ökosysteme weltweit verlieren durch Umweltveränderungen massiv an Artenreichtum, was die Grundlagen des Lebens gefährdet.

Umweltverschmutzung: Die zunehmende Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden durch Chemikalien, Kunststoffe und Abfälle beeinträchtigt die Gesundheit von Mensch und Natur.

Der „Umwelt-Sicherheits-Nexus“: Klima und Ökologie im Konflikt

Ein Schwerpunkt der Forschungsgruppe liegt auf dem klassischen „Umwelt-Sicherheits-Nexus“: Hier steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Klima-, Biodiversitäts-, und Verschmutzungskrisen weltweit auf konkrete Konflikte und Kriege auswirken. Während die Umwelt lang als passive „Bühne“ galt, auf der Konflikte ausgetragen werden, erklärt Patrick Flamm: „Heute ist klar, dass diese Bühne gar nicht so stabil ist und dass sie auf tönernen Füßen gebaut ist.“ Diese sich verändernden Umweltbedingungen wirken sich auch auf Konflikte aus.

Ökologische Krisen als Risikofaktoren

Besonders deutlich wird das am Beispiel der Klimakrise: Etwa werden Extremwetterereignisse häufiger, Ressourcen und Land knapper. Insofern, so ordnet Tobias Ide ein, wäre es „absolut naiv anzunehmen, dass etwas, was so weitreichende ökologische und gesellschaftliche Folgen wie der globale Umweltwandel hat, nicht relevant für die Friedens- und Konfliktforschung ist.“ Dadurch, dass er Konfliktursachen verstärkt, kann der Klimawandel also das Risiko für Gewaltkonflikte erhöhen. Dabei handelt es sich vorrangig um Ausschreitungen, Proteste oder Gewalt innerhalb von Gemeinschaften – in wenigen Fällen aber auch um Bürgerkriege. Ob die Folgen des Klimawandels zu Konflikten führen, hängt jedoch vor allem vom lokalen Kontext und dem Umgang von Politik und Gesellschaft ab. Etwa erhöhen klimabedingte Katastrophen vor allem in solchen Ländern das Risiko für Konflikte, die durch die Ausgrenzung ethnischer Gruppen, einen niedrigen wirtschaftlichen Entwicklungsgrad und durch eine hohe Abhängigkeit von der Landwirtschaft gekennzeichnet sind. Hier können Extremwetterereignisse zu Unzufriedenheit mit dem Katas­trophenmanagement oder zu einem staatlichen Vakuum führen, das wiederum durch Rebellengruppen ausgenutzt werden kann. Der Klimawandel ist also nicht als maßgeblicher Treiber von Konflikten zu verstehen, sondern erhöht das Risiko für Konflikte dann, wenn gewisse politische und ökonomische Kontextfaktoren vorliegen. So erklärt Tobias Ide: „Konflikte bleiben im Kern politisch und mit Abstrichen ökonomisch. Der Klimawandel kann als Auslöser dienen oder gewisse ökonomische Faktoren verschärfen – etwa ökonomische Turbulenzen oder staatliche Schwäche – die dann wiederum zu politischer Unzufriedenheit führen. Aber er ist eben nur ein beitragender Faktor von vielen anderen.“

Friedensförderung durch ökologische Krisen?

Dass die Symptome ökologischer Krisen nicht zwangsläufig zu mehr Gewaltkonflikten führen müssen, verdeutlicht auch das Phänomen Environmental Peacebuilding: Der Begriff beschreibt Fälle, in denen ökologische Krisen oder verknappte Ressourcen die Kooperation zwischen Staaten oder gesellschaftlichen Gruppen verstärken, nachhaltig Vertrauen aufbauen – und sogar zu Frieden führen können. Erkenntnissen der Katastrophensoziologie zufolge wächst etwa nach großen Stürmen oder Fluten der soziale Zusammenhalt und die Kooperation innerhalb von Gemeinschaften. Dass Differenzen angesichts gemeinsamer Herausforderungen aber auch zwischen Gruppen temporär zur Seite gelegt werden, zeigt sich etwa in Ostafrika: Hier tun sich Pastoralisten – umherziehende Viehhirten – in Dürrezeiten zusammen, um Weideflächen oder Wasserquellen zu teilen.

Umweltschutz als Konfliktursache: Sozial-Ökologische Transformationskonflikte

Nicht nur die Folgen des Klimawandels, sondern auch Maßnahmen zu seiner Eindämmung können Gegenstand gesellschaftlicher Konflikte sein – etwa, wenn die (befürchteten) Kosten für Klimaschutzmaßnahmen als unverhältnismäßig oder als ungerecht verteilt empfunden werden. Bekanntes Beispiel für solche sozial-ökologischen Transformationskonflikte ist etwa die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich, die im Jahr 2018 als Protest gegen die höhere Besteuerung fossiler Kraftstoffe begann. Aber auch der Abbau kritischer Rohstoffe wie Lithium – meist in Ländern des globalen Südens – für den Ausbau „grüner Technologien“ im globalen Norden, geht häufig mit Konflikten um die Landnutzung oder der Verfolgung von Umwelt-Aktivist*innen einher.

Geopolitik des „Anthropozäns“

Der zweite Schwerpunkt der Forschungsgruppe geht über die lokalen Umweltbedingungen in bewaffneten Konflikten hinaus. Im Fokus stehen hier nicht einzelne Konflikte, sondern Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik im globalen Maßstab. Denn: Die ökologischen Krisen unserer Zeit machen nicht an nationalstaatlichen Grenzen halt. Genauso geraten im Zeitalter des Anthropozäns, in dem sich menschliches Handeln auf den gesamten Planeten auswirkt, traditionelle, staatenzentrierte Konzepte von Geopolitik an ihre Grenzen. Das wird besonders deutlich an Regionen wie den Polargebieten, dem Amazonas-Regenwald oder auch den Weltmeeren und dem Erdorbit. Zum einen sind diese Regionen von globaler Bedeutung: Ihre Veränderungen können sich unumkehrbar auf das gesamte Erdsystem auswirken, wenn bestimmte kritische Schwellenwerte – so genannte planetare Kippunkte – im Erdsystem erreicht werden. Und zum anderen handelt es sich häufig um globale Commons, die nicht unter Kontrolle einzelner Staaten stehen. Aus diesem Grund untersucht die Forschungsgruppe aus „planetarer Perspektive“, welche Kooperations- und Konfliktdynamiken sich aus dem politischen Umgang mit diesen Regionen ergeben. Im Fokus stehen dabei sowohl das Management planetarer Kipppunkte als auch globale technologische Entwicklungen wie Geo-Engineering. Durch bewusste, großflächige technische Eingriffe in das Klimasystem – etwa Verfahren, die CO2 aktiv aus der Atmosphäre entfernen, oder durch die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung – soll dem globalen Temperaturanstieg entgegengewirkt werden. Während diese Technologien als potenzielle Lösungen ökologischer Probleme im Raum stehen, schaffen sie gleichzeitig neue regulatorische Anforderungen für die Politik. In diesem Kontext ergeben sich Konfliktpotenziale und stellen sich Gerechtigkeitsfragen – etwa, wer eigentlich von der Entwicklung und dem Einsatz neuer Technologien profitiert, oder, was die dominierenden Lösungsvorschläge zur Bekämpfung von Weltraumschrott für unsere Ökosysteme und Atmosphäre bedeuten.

Vier Fragen an Tobias Ide

Tobias Ide

Prof. Dr. Tobias Ide leitet den Programmbereich Transnationale Politik am PRIF. Außerdem ist er Professor für Friedens- und Konfliktforschung an der TU Darmstadt und stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe Ökologie, Klima und Konflikte am PRIF. Zuletzt war er als Associate Professor für Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen an der Murdoch University in Perth, Australien, und als außerordentlicher Professor für Frieden und Nachhaltigkeit an der Universität Hiroshima, Japan, tätig.

  1. Blickst du aktuell eher mit Sorge oder mit Optimismus auf die Politik, was die Bekämpfung des Klimawandels und die Anpassung an seine Folgen betrifft?

    Das hängt davon ab, welches Level man sich anschaut. Klar ist: Die Politik tut nicht genug, um den Klimawandel zu vermeiden. Das wird ein sehr großes Problem in 10, 15, 20 Jahren und darüber hinaus sein, weil es jetzt tatsächlich noch mit recht geringen Kosten ginge. Es ist aber ein zunehmend umstrittenes Thema innerhalb von Gesellschaften – und auch international haben wir natürlich aktuell sehr schwierige Voraussetzungen mit diesen ganzen Umbrüchen und dem absoluten Unwillen der aktuellen US-Regierung, sich zu engagieren. Daher bin ich zumindest für die nächsten 10 Jahre sehr pessimistisch, was die Klimawandel-Vermeidung angeht – und das ist leider ein sehr entscheidender Zeitraum.

    Der nächste Schritt wäre: Was tun wir eigentlich, um uns an die Folgen des Klimawandels anzupassen? Und ich glaube, da ist das Bild relativ gemischt. Natürlich leidet auch die Klimawandelanpassung aktuell darunter, dass andere Themen priorisiert werden: Dass die USAID in den USA gestrichen wurde, dass in Deutschland jetzt weniger Geld in Entwicklungszusammenarbeit und mehr in das Militär fließt. Und die internationale Gemeinschaft kommt bereits heute bei weitem nicht ihren Verpflichtungen nach, in internationale Klimaanpassungsfonds einzuzahlen. Und wenn sie einzahlt, dann eher in Länder oder Projekte, an denen ein geopolitisches Interesse herrscht und weniger danach, wo der Klimawandel die schlimmsten Auswirkungen hat. Ich denke, es gibt aber auch positive Entwicklungen. Gerade Deutschland hat in den letzten Jahren in Fragen, wie man Städte plant oder wie man Katastrophenschutz für Hitzesommer und Fluten entwickelt, deutlich aufgeholt. Es ist ein viel klareres Bewusstsein da und auch eine viel stärkere Bereitschaft, Ressourcen zu investieren. Besonders die sicherheitspolitischen Implikationen des Klimawandels waren lange nur ein Randthema. Das ist jetzt in der nationalen Sicherheitsstrategie in Deutschland enthalten und wurde durch viele Länder im UN-Sicherheitsrat sehr stark gemacht. Auch Länder, die am Anfang eher zögerlich waren, zum Beispiel Australien, Japan oder Kanada, steigen jetzt wirklich ganz groß mit ein.

  2. Was bedeutet das für deine eigene Rolle als Forscher? Wo würdest du dich auf dem Spektrum von Forschung bis Aktivismus positionieren?

    Ich weiß gar nicht, ob ich mich da so aktiv positionieren will: Als Forscher würde ich schon erst einmal sagen: Es ist meine Aufgabe, aus den Daten und den wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen Empfehlungen abzuleiten. Ich sehe mich da eher nicht in einer stark aktivistischen Rolle. Meine Aufgabe ist eher, Wissen zu generieren und in einer Form bereitzustellen, damit dann politische Akteure – von NGOs und Zivilgesellschaft bis hin zu Regierungen – etwas damit anfangen können. Ich finde, das ergibt sich auch aus dem Neutralitätsgebot der Wissenschaft. Nichtsdestotrotz wäre es naiv, anzunehmen, dass es keine politischen Implikationen hat, was ich mache. Und natürlich sage ich aufgrund der Datenlage: Der Klimawandel ist ein massives Problem für menschliche Sicherheit, aber auch für nationale Sicherheit. Deutschland, aber auch viele andere Staaten und Akteure wären sehr gut beraten, damit proaktiv umzugehen.

Landschaft mit hohen Sonnenblumen, hinter denen ein Transportzug mit Panzern vorbeifährt
Source: Danny Burke, Unsplash.
  1. Wie möchtest du deine neue Stelle am PRIF ausgestalten? Welche inhaltlichen Schwerpunkte hast du dir überlegt, welche Impulse möchtest du setzen?

    Die erste Priorität muss die Leibniz-Evaluation im Dezember sein. Ich habe meinen Programmbereich neu übernommen und muss jetzt entsprechend darauf achten, dass er gut aufgestellt ist – damit wir auch eine gute Arbeitsgrundlage für die nächsten 7 Jahre haben.

    Dann geht es darum, die Gruppe Ökologie, Klima und Konflikt noch mehr mit Leben zu füllen: Ich habe gerade ein von der britischen Regierung finanziertes Projekt gewinnen können, in dem es vor allem um kritische Mineralien geht, die wir unter anderem für Solarzellen, Windturbinen, Elektrobatterien brauchen – und wie sich deren Abbau auf lokale Konfliktdynamiken auswirkt. Wir müssen uns als Friedens- und Konfliktforschung viel stärker in diese Debatten um Klimaschutz und Klimaanpassung einbringen, weil sie oft sehr konkret Fragen von Frieden und Konflikt berühren.

    Außerdem würde ich gerne mehr Forschung zu Rebellen-Governance aufbauen: Hier geht es darum, wie Rebellen als regierende Akteure Regeln setzen und Sicherheit, aber teilweise auch Dienstleistungen bereitstellen: Wir haben mit über 60 bewaffneten Konflikten eine Höchstzahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Über 200 Millionen Menschen weltweit leben in Gebieten, die direkt von Rebellen kontrolliert werden. Etwa habe ich vor zwei Jahren mit ehemaligen Rebellen in den Philippinen gesprochen, die nach großen Wirbelstürmen in die Orte gegangen sind, um Wiederaufbau zu leisten. Der Staat kommt oft nicht in diese Gebiete – wenn also Katastrophenschutz stattfindet, dann durch die Rebellen. Das ist sehr positiv für menschliche Sicherheit. Allerdings nutzen Rebellengruppen solche Situationen oft auch, um entweder Hilfsgüter abzuzweigen oder Unterstützer zu rekrutieren, was aus einer nationalen Sicherheitsperspektive negativ ist. Das ist nicht nur bei Katastrophenschutz so, sondern passiert auch bei Bildung oder bei Gesundheit. Gerade in konfliktreichen Zeiten mit so vielen Menschen, die unter Kontrolle bewaffneter Gruppen leben, muss das besser verstanden werden.

    Und dann ist natürlich eine meiner zentralen Aufgaben, die Vernetzung von Friedens- und Konflikteinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet weiter zu vertiefen – vor allem zwischen der TU Darmstadt, PRIF und der Goethe-Universität Frankfurt.

  2. Was wird sich am PRIF für dich selbst ändern?

    Wir haben an unserem Programmbereich und am PRIF eine sehr starke Gruppe im Forschungsfeld Radikalisierung und Extre­mismus – ein Thema, zu dem ich in der Vergangenheit eher wenig gearbeitet habe. Gerade mit meinem Umweltbackground gibt es hier aber sehr spannende Anknüpfungs­punkte, zum Beispiel, wenn man an zunehmende Repressionen gegen die Klimabewegung denkt, an die Radikalisierung von Umweltbewegungen, an Katastrophenhilfe durch extremistische Akteure, und so weiter.

    Und natürlich schreibe ich als Programmbereichs-Leitung mehr E-Mails und verbringe mehr Zeit in Sitzungen, als dass ich wirklich forsche. Ich sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Das lachende Auge ist, dass dich, wenn du selbst forschst, immer Sachen ärgern: Da sind bürokratische Hindernisse, es ist kein Geld da oder eine Kooperation klappt nicht. In meiner neuen Rolle kann ich aktiv sagen: Ich ändere das zum Positiven und sehe zu, dass die Menschen, die hier forschen und arbeiten, wirklich gute Bedingungen haben. Aber wenn ich ein neues Projekt oder eine Idee habe und dann sehe, wie das ein Doktorand oder eine Mitarbeiterin umsetzt, denke ich schon manchmal: „Eigentlich hätte ich große Lust, das selbst zu machen.“ (hbr)

“Wir müssen uns als Friedens- und Konfliktforschung viel stärker in diese Debatten um Klimaschutz und Klimaanpassung einbringen, weil sie oft sehr konkret Fragen von Frieden und Konflikt berühren.”

Weiterlesen

  • Ide, Tobias: Rethinking climate conflicts: the role of climate action and inaction, in: World Development 186(1), 2025, 106845. DOI: 10.1016/j.worlddev.2024.106845
  • Ide, Tobias: Catastrophes, confrontations, and constraints: how disasters shape the dynamics of armed conflicts. Cambridge, MA: MIT Press, 2023. DOI: 10.7551/mitpress/14970.001.0001